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Objekt des Monats

September 2019

Metallwarenfabrik F. W. Quist:Stahlhelm Modell 35Molybdänstahl, Leder1930er Jahre

Am 1. September 1939 - vor genau 80 Jahren - begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Er kostete bis zu seinem Ende am 8. Mai 1945 (in Europa) bzw. 2. September 1945 (in Asien) knapp 65 Millionen Menschenleben. Von ihnen wurden rund 13 Millionen Menschen zu Opfern deutscher Kriegsverbrechen.

Das wohl markanteste Ausrüstungsstück des deutschen Wehrmachtsoldaten war der Stahlhelm. Dieser wurde während des Ersten Weltkrieges angesichts der hohen Zahl an Kopfverletzungen durch Artilleriegeschosse unter der Bezeichnung M 16 eingeführt und erstmals 1916 bei der Schlacht um Verdun getragen. Obwohl man bei Kriegsende zahlreiche Helme an die Alliierten abgeben musste, reichten die vorhandenen Bestände noch für die Ausrüstung der neu geschaffenen Reichswehr mit 100.000 Soldaten aus.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde das Erscheinungsbild der Helme vereinheitlicht. Hatten sie bis dahin noch Kokarden in den jeweiligen traditionellen Landesfarben getragen, erhielten sie nun ein Wappenschild in den Farben Schwarz-Weiß-Rot. 1934 kam der Reichsadler als Hoheitszeichen hinzu. Dies zeigt die nun deutlich zentralistische Ausrichtung der Armee bei gleichzeitiger Übernahme der Symbolik der Nationalsozialisten.

Zu Beginn der 1930er Jahre erfolgten einige Modifikationen an der Innenausstattung, aber auch am äußeren Erscheinungsbild des Helmes. Sie lehnten sich an der bisherigen Erscheinung des M 16 an, auch war an der Entwicklung dessen Erfinder Professor Friedrich Schwerd (1872-1953) beteiligt. Dieser neue Helm wurde im Juni 1935 unter der Bezeichnung „Stahlhelm 35“ eingeführt. Später erhielt er als M 40 und M 42 nur noch geringe Veränderungen.Nachdem man in Deutschland im März 1935 die Wehrpflicht wieder eingeführt hatte, bestand ein hoher Bedarf an diesen Ausrüstungsgegenständen. Er wurde nicht nur bei der Wehrmacht eingesetzt, sondern auch an die SS, die Polizei und an ausländische Truppen geliefert.

Der M 35 ist wie kein anderes Ausrüstungsstück zum Symbol des nationalsozialistischen Militarismus geworden. Er stellte die Wehrmacht in die Tradtion der kaiserlichen Armee und verkörperte als Sinnbild das deutsche Soldatentum und dessen von den Nationalsozialisten postulierten Heldenmut und Siegeswillen. In den von der Wehrmacht besetzten Ländern stellte er allerdings das negative Symbol deutscher Schreckensherrschaft dar. Daher wurde er auch nicht mehr bei der neu gegründeten Bundeswehr verwendet, sondern war lediglich noch bei der Bereitschaftspolizei und im Katastrophenschutz im Einsatz. Der auf der Glocke liegende Helm mit Blume ist dagegen ein seit der Weimarer Zeit bekanntes Zeichen der Friedensbewegung. Erst die modernen Gefechtshelme der Bundeswehr aus Kunststoff griffen die Formgebung des deutschen Stahlhelms wieder auf.

Der gezeigte Helm wurde bei der Esslinger Metallwarenfabrik F. W. Quist hergestellt, deren Kerngeschäft die Produktion versilberter Metallwaren für den festlich gedeckten Tisch war. Sie hatte schon während des Ersten Weltkrieges Stahlhelme gefertigt. Bereits 1935 begann die Firma mit der Wiederaufnahme der Rüstungsproduktion; Quist reichte in diesem Jahr auch ein Patent für ein neues Herstellungsverfahren ein, 1938 folgten Gebrauchsmuster für Feuerwehr- und Luftschutzhelme. Auch bei der Entwicklung des M 45 bei Kriegsende, der aber nicht mehr zum Einsatz kam, war Quist vermutlich beteiligt. Während des Zweiten Weltkrieges wurden neben Stahlhelmen auch andere Rüstungsgüter produziert, sodass die Rüstungsproduktion im Jahre 1942 97 Prozent der Fertigung umfasste. Auch nach 1945 stellte man noch Stahlhelme her, u.a. für die Bundeswehr. Die militärische Produktion endete vermutlich Ende der 1950er Jahre, Helme für die Feuerwehr wurden seit den 1960er Jahren nicht mehr hergestellt. Auch hier machte sich, ebenso wie im eigentlichen Kerngeschäft, Kunststoff als Konkurrenzmaterial bemerkbar.