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Objekt des Monats

Juni 2019

Paul Schneider von Esleben:
Armlehnstuhl
Wilde + Spieth
um 1960

(Stadtmuseum im Gelben Haus, STME 006226)

 

Fotografie: Michael Saile

„Kinderchen, könnt ihr auch Stühle bauen?“ Mit diesen Worten soll die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Egon Eiermann (1904-1970) und dem Unternehmen Wilde + Spieth 1948 begonnen haben. Fortan konzentrierte sich die Firma auf die Herstellung von Stühlen.Das Objekt des Monats Juni ist ein Designerstuhl jener Firma, der aus der Zeit um 1960 stammt. Er besteht aus einem geschweißten Metallgerüst, das mit hochwertigem Tropenholz (Teak) veredelt wurde. Dabei wurden die metallenen Stäbe gebogen und schwarz eingefärbt. Für einen weiteren dunklen Akzent sorgen die dunkelbraunen sowie abgerundeten Teakholzarmlehnen.Durch die dunkle Farbwahl erscheint der Stuhl noch edler, als er alleine durch seine Materialwahl und Formensprache schon wirkt. Markant ist zudem das Rohrgeflecht, das sich bei der Sitzfläche sowie bei der Rückenlehne trapezförmig ausbreitet und mit seiner hellen Farbe für einen Hell-Dunkel-Kontrast sorgt.Der kantige Armlehnstuhl spielt auch weiterhin mit Gegensätzen, indem die Stahlstäbe rund gestaltet sind. Auch die an die stark ausgestellten Rückbeine angeschraubten Armlehnen sind leicht gerundet. Die vorderen Beine haben runde, tellerförmige Füßchen, die hinteren nicht.Bei der Firma Wilde + Spieth begann alles im Jahr 1831, als der Schreinermeister Wilhelm Ludwig Spieth das Unternehmen als Handwerksbetrieb gründete. 1912 stieß kurzfristig der Ingenieur Richard Wilde hinzu. Seitdem führt der Betrieb den heutigen Namen. Hauptgeschäftsfeld nach dem Ersten Weltkrieg war der Bau von Klapp- und Rollläden, was nach 1945 einige Jahre fortgeführt wurde.Die ersten Nachkriegsjahre waren für diese Firma nicht einfach. So kam es, dass sich Wilde + Spieth neu orientierte, wodurch kurzzeitig auch eigene Holzspielwaren im Sortiment angeboten wurden. Aus dem Unternehmen ging eine weitere Firma hervor, die zu den bekanntesten Sportgeräteherstellern weltweit zählt: Spieth Gymnastics. Ihren endgültigen Durchbruch hatten Wilde + Spieth jedoch als der Produktionsschwerpunkt auf Stühle verlagert wurde, von denen die Kreationen Eiermanns am berühmtesten sind. Er kreierte bis 1970 einige Designklassiker, die bis heute in der aktuellen Produktpalette enthalten sind.Das Unternehmen besteht bis heute und legt noch immer hohen Wert auf Handarbeit. Dennoch hat die Firma auch schwere Zeiten hinter sich. 2004 musste Wilde + Spieth Insolvenz beantragen. Die Kaufgewohnheiten hatten sich bei einigen Großkunden geändert. So setzten Behörden vermehrt auf Billigmöbel anstatt auf hochpreisiges Qualitätsmobiliar. Heute hat sich die handgefertigte Qualität erneut etabliert und der Firmensitz in der Plochinger Straße 156 in Oberesslingen ist erhalten geblieben. Produziert wird mittlerweile weit von Esslingen entfernt in Stendal (Sachsen-Anhalt).Als kreativer Kopf hinter dem vorliegenden Armlehnstuhl steckt Paul Schneider (von) Esleben (1915-2005). Er entstammte einer Architektenfamilie. Seine Hauptwirkungsstätte hatte der Düsseldorfer in Nordrhein-Westfalen. Er war einer der Architekten, welche die Nachkriegsmoderne insbesondere in den 1950er und 1960er Jahren nachhaltig prägten. Als eines seiner berühmtesten Werke gilt der heutige Terminal 1 des Flughafens Köln-Bonn von 1970. Neben Möbeln und Gebäuden entwarf er auch Schmuck. Seine kreative Ader vererbte Schneider-Esleben an seine Kinder, die allesamt im gestalterischen Bereich tätig sind. Eines seiner Kinder schrieb Musikgeschichte: Sein Sohn ist Florian Fischer, der Mitbegründer der weltberühmten deutschen Band Kraftwerk, die als Väter der elektronischen Popmusik gelten.